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Cover SchwabenfluchtWir freuen uns Euch den Roman "Schwabenflucht: Ein kriminelles Gedankenspiel" von Jochen Bender als Fortsetzungsroman vorstellen zu dürfen.

Jede Woche könnt Ihr ein Kapitel mehr vom Roman lesen. Zu lesen sind immer nur die letzten 20 Seitenl. Das letzte Kapitel könnt Ihr dann live in einer Lesung (Dreikönigskeller am 17.01.2020) zusammen mit Jochen Bender nach einem leckerem Essen genießen.

Neugierige können das Buch hier bei Amazon natürlich auch bestellen

Eine gute Gesellschaft ist keine Gemeinschaft
Thomas Schmid „Die Welt“ im Oktober 2016

Die EU ist implodiert, in Deutschland herrscht Bürgerkrieg. Dr. Jens Baitinger weigerte sich bis zuletzt, die Zeichen des gesellschaftlichen Zerfalls wahrzunehmen. Während seiner Tochter Pauline im letzten Augenblick die Flucht nach Australien gelingt, sitzt er mit dem Rest seiner Familie in Stuttgart fest. Mit den Nachbarn graben sie sich auf den Fildern ein, während ringsum blutige Kämpfe toben.
Im Remstal gelingt es Landrat Balmer, eine demokratische Gesellschaft aufrecht zu erhalten, tatkräftig unterstützt durch Sascha, einem jungen Mann mit einem düsteren Geheimnis. Familie Baitinger wagt schließlich die Flucht aus Schwaben und strandet als mittellose Flüchtlinge in Arabien.

35
Pauline träumen. Durch all das Elend und Grauen der
letzten Jahre hatte mich die Hoffnung getragen, meine
geliebte Tochter eines Tages lebend wiederzusehen.
War ich dieser Hoffnung heute durch die Begegnung
mit Kommissar Keller näher gekommen? Tränen traten
in meine Augen. Meine letzte kurze Begegnung mit
Pauline lag drei Jahre zurück. Es war just der Tag gewesen,
an dem die Krise gerade in den Bürgerkrieg
kippte:
„Das Land ist total am Arsch. Wir müssen fliehen!“,
verkündete Pauline unvermittelt.
Missmutig hob ich den Kopf. Gemeinsam speisten wir
in unserem Esszimmer mit grandiosem Blick über die
Stadt zu Abend. Schon bei Ihrer Ankunft hatte ich meiner
geliebten Tochter angesehen, dass sie etwas bedrückte.
Jetzt war es also raus. Gut, dass Carolin mich
vorbereitet hatte. So konnte ich einigermaßen ruhig
erwidern:
„Na mein Schatz, ganz so schlimm…“
„Doch Papa!“, unterbrach sie mich. „Es ist sogar noch
viel schlimmer. Tauche endlich aus deiner Traumwelt
auf und stell dich der Realität! Hast du nicht gehört,
was gestern in Weilimdorf passiert ist?“
Gekränkt schwieg ich. Mit Pauline konnte man wirklich
nicht mehr reden.
„Natürlich haben dein Vater und ich davon gehört!“,
mischte Carolin sich ein. Ehe sie fortfuhr, warf sie mir
einen besorgten Blick zu. „Rechtsradikale haben dort
vorige Nacht Flüchtlinge bedroht und…“
„Von wegen bedroht!“, empörte Pauline sich. „Die haben
Dutzende, wenn nicht gar Hunderte erschossen!“
„Aber Paulinchen, in den Nachrichten haben sie
doch…“

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„Genau das ist ja das Schlimme! Die Medien berichten
nicht mehr die Wahrheit über…“
„Die Medien haben noch nie die Wahrheit berichtet,
sondern uns schon immer manipuliert!“, unterbrach
ich sie mit einem meiner Lieblings-Statements. In meinen
Augen gab es nicht die Wahrheit, sondern dem
Konstruktivismus entsprechend viele Wahrheiten.
Pauline verdrehte genervt die Augen. Ich schluckte
den Rest meiner, zugegebenermaßen etwas abgenutzten,
Weisheiten hinunter. Meine unglaublich groß gewordene
Tochter sah mich ernst an.
„Papa, ich arbeitete letzte Nacht im Klinikum. In den
frühen Morgenstunden trafen mehrere Flüchtlinge mit
schweren Schussverletzungen bei uns ein. Die kamen
nicht etwa in Rettungswägen, sondern in privaten
PKWs. Wir waren total schockiert. Alle Flüchtlinge berichteten
übereinstimmend, dass sie in einer zur Notunterkunft
umfunktionierten Sporthalle geschlafen
hätten, als schwarz vermummte Männer die Halle wild
um sich schießend stürmten.
Noch während wir die Schusswunden versorgten, hörten
wir in den offiziellen Nachrichten, dass Flüchtlinge
dort nur bedroht worden seien. Wir fragten uns, wieso
die Reporter nicht wissen, was dort wirklich passierte.
Kurz darauf trommelte Dr. Wagner uns alle zusammen
und verhängte eine Nachrichtensperre. Er meinte, wir
dürften auf keinem Fall mit irgendjemandem hierüber
reden, sonst breche unnötig Panik aus. Die Regierung
habe die Bundeswehr alarmiert. Man werde die Sache
bald wieder in den Griff bekommen.“
Sie brach ab. Ein flaues Gefühl machte sich in meinem
Magen breit. Seit Jahren verkündete die Politik, sie
habe die Lage im Griff oder werde sie bald in den Griff
37
bekommen. Dabei musste selbst ich mir in schwachen
Augenblicken eingestehen, dass die Politik schon lange
nichts mehr im Griff hatte.
Europa war von einer Gemeinschaft zur Union verkommen
und dann, nach jahrelanger Agonie, mit einem
lauten Knall auseinandergeflogen. Der abrupte
Wegfall wichtiger Märkte hatte die deutsche Industrie
in ihren Grundfesten erschüttert. Millionen Menschen
verloren über Nacht ihren Arbeitsplatz. Noch während
die Politik versuchte, dies irgendwie aufzufangen und
den Menschen wieder Mut zu machen, erfolgte der
nächste Schlag. Ein durch die Decke gehender Ölpreis
machte die mit Verbrennungsmotoren betriebenen
Autos deutscher Premiumhersteller zu Ladenhütern,
während die Nachfrage nach chinesischen und amerikanischen
Elektroautos explodierte.
Trotzdem hielt ich, wie viele andere, noch immer unseren
Reichtum und unsere staatliche Stabilität für ein
Naturgesetz. Die giftigen, hasserfüllten Auseinandersetzungen
zwischen Hedonisten und neu erstarkten
Christengemeinschaften, die Pöbeleien selbsternannter
Patrioten gegen Zuwanderer und der herablassende
Moralismus der Ökos gegen alle hatten bewirkt,
dass ich so gut wie keine Nachrichten mehr sehen, hören
oder lesen wollte. Die Politiker würden es schon
schaffen, die Chose wieder zu richten. Schließlich lebten
wir in Deutschland.
„Du mit deinem Gerechtigkeitsfimmel und deinen unnötigen
Sorgen!“, machte ich meinem Ärger Luft.
„Jetzt, da du als Ärztin selbst in der Verantwortung
bist, könntest du langsam erwachsener an manche
Dinge herangehen!“
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„Ach ja?“, entgegnete sie kühl. „Du meinst, ich soll dir
nicht länger vorwerfen, dass du nur für dich selbst
sorgst? Dass es dich gar nicht interessiert, ob unsere
Gesellschaft auch übermorgen noch funktioniert?“
„Durch die Aufnahme zahlreicher traumatisierter
Flüchtlinge in meine Klinik leistete ich meinen Beitrag
zur Milderung des Elends!“
„Dadurch hast du in erster Linie den Gewinn der Klinik
gesteigert und dir ganz nebenbei und kostenlos das
schöne Gefühl verschafft, ein guter Mensch zu sein!“
„Jetzt hört doch bitte auf zu streiten!“, mischte Carolin
sich erneut ein.
Durch Paulines Worte zutiefst gekränkt, war ich kurz
davor, wütend aus dem Raum zu stürmen. Meiner
Frau zuliebe blieb ich.
Was zum Teufel war in Pauline gefahren? Wie hatte
sich mein kleines Mädchen zu so einer Furie entwickeln
können?
„Du hast Recht Mama“, lenkte sie ein. „Es ist jetzt
wirklich nicht die richtige Zeit zum Streiten. Habt Ihr
eure Sachen schon in Papas Geländewagen gepackt?“
„Gepackt? Welche Sachen?“, fragte Carolin irritiert.
„Ich habe dir doch vorhin eine Nachricht geschickt, ihr
sollt möglichst viele warme Klamotten, Lebensmittel
und die Campingausrüstung in Papas Geländewagen
packen. Sonst protestiert du umgehend, wenn du mit
mir nicht einverstanden bist. Also dachte ich, ihr wärt
zum gleichen Schluss gekommen wie ich, nämlich dass
es höchste Zeit ist hier abzuhauen.“
Das wurde ja immer besser! War dieses hysterische
Weib wirklich meine Tochter? Meine Frau griff nach ihrem
Smartphone. Stirnrunzelnd starrte sie darauf.
Schließlich verkündete sie:
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„Kein Netz, wahrscheinlich kam deshalb deine Nachricht
nicht an.“
Simultan zogen Pauline und ich ebenfalls unsere
Smartphones hervor. Wir hatten ebenfalls kein Netz.
Ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit.
Pauline sprang auf, lief zu unserem Festnetz-Anschluss.
„Der ist auch tot!“, verkündete sie. „Glaubt ihr mir
jetzt endlich, dass der Staat am Arsch ist?“
„Immer langsam mit den jungen Pferden!“, wandte ich
ein. „Wahrscheinlich schaltete die Regierung das Telefonnetz
ab, um den Nationalisten die Kommunikation
zu erschweren. Wir sind hier in Deutschland. Die Behörden
haben die Angelegenheit sicherlich bald wieder
im Griff.“
„Ach ja? Wer soll die Sache in den Griff bekommen?
Etwa das von dir so verachtete Militär und der von dir
gehasste Verfassungsschutz?“, fragte sie zynisch.
„Ich habe schon immer gesagt“, setzte ich zu meiner
Verteidigung an, „dass man sich als gebildeter Bürger
von der Polizei…“
„…und den sonstigen Sicherheitsdiensten möglichst
fernhält, da diese zuallererst potenzielle Gefährder der
Freiheit, nicht aber Garanten der Sicherheit sind“, beendete
Pauline meinen ihr vertrauten Satz.
Offenbar hatte sie es mir bis heute nicht verziehen,
dass ich mich abfällig über ihren Ex-Freund Leon geäußert
hatte.
„Hast du eigentlich noch Kontakt zu Leon?“, fragte Carolin
in diesem Augenblick.
Pauline nickte.
„Er hat mir heute in aller Frühe eine Nachricht gesendet.
Ich soll alles Notwendige packen und mit dem
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Auto über die Grenze nach Österreich flüchten. Alle
anderen Länder sind soeben dabei, mit Militär ihre
Grenzen zu uns abzuriegeln oder haben dies bereits
getan. Darum habe ich euch ja auch die Nachricht geschickt,
dass ihr packen sollt. Kommt ihr jetzt mit oder
nicht?“
Mehr aus beleidigtem Trotz als aus Überzeugung
schüttelte ich stumm den Kopf. Meine Frau hatte
schon bei Paulines ersten Worten vor Entsetzen die
Hände vors Gesicht geschlagen. Jetzt schluchzte sie
still vor sich hin.
„Und du Mama?“, fragte Pauline mit belegter Stimme.
„Kommst du wenigstens mit?“
Carolin schüttelte ebenfalls den Kopf.
„Ich kann Papa nicht allein lassen.“
Ihre Worte rührten mich zutiefst. Zugleich rührte sich
mein schlechtes Gewissen.
„Schade!“, bedauerte Pauline schmallippig. Sie erhob
sich und sah auf uns herab. „Für mich ist es jetzt jedenfalls
höchste Zeit aufzubrechen!“, verkündete sie
mit einer Entschlossenheit und Härte, die ich an meiner
Tochter nie zuvor wahrgenommen hatte.
„Dann Auf Wiedersehen!“, verabschiedete ich sie trotzig.
„Bis in vierzehn Tagen wirst auch du deinen Fehler
einsehen und wieder hier sein.“
„Ach, Papa!“, erwiderte sie traurig. „Du weißt gar
nicht wie sehr ich mir wünsche, dass du damit Recht
hast.“
Mit tränennassen Wangen umarmte sie mich, wobei
ich trotzig sitzenblieb.
Bis zum heutigen Tage bedauere ich es zutiefst, nicht
einmal diese Umarmung erwidert zu haben. Stattdessen
schenkte ich mein Glas voll edlen Bordeaux, wäh-
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rend meine Frau sich auf der Straße vor dem Haus von
unserer Tochter verabschiedete. Die beiden brauchten
ewig. Ich stürzte den Wein hinunter. So war ich ziemlich
betrunken, als Carolin wieder hoch kam.
„Du hättest ruhig mitfahren können!“, empfing ich sie
nicht eben freundlich.
„Ach, Jens!“, entgegnete sie, tapfer ihre Tränen trocknend.
„Du weißt doch, dass ich bis zum Ende meiner
Tage an deiner Seite ausharren werde.“
Leider war ihr Ende sehr viel schneller gekommen, als
ich damals gedacht hatte. Die Mitschuld am Tod meiner
geliebten Frau Carolin lastet bis heute schwer auf
mir.
Die Telefone und mit Ihnen auch das Internet waren
bis zum Tag meiner eigenen Flucht aus Stuttgart für
uns Bürger nicht wieder eingeschaltet worden. Daher
habe ich von meiner Tochter Pauline auch erst in der
Nacht meiner eigenen Flucht aus Stuttgart vor einem
Jahr wieder eine Nachricht erhalten. Bis heute weiß
ich nicht, ob diese Nachricht wirklich von ihr stammt
und sie somit zumindest vor einem Jahr noch gelebt
hat.
Natürlich konnte ich auch an diesem Tag nicht schlafen.
Nach einer Stunde erhob ich mich wieder von
meinem Lager. Sascha schnarchte laut, das aufgeschlagene
Fachbuch auf seinem Gesicht. Ein weiteres Mal
verspürte ich den Impuls, ihm statt des Buches ein Kissen
so lange ins Gesicht zu pressen, bis er sein Leben
ausgehaucht und hierdurch für seine Sünden bezahlt
hatte. Der Impuls ging vorüber.
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Möglichst leise verließ ich das Appartement in
Richtung Arztstation, um nach meiner Patientin zu
sehen.
Schon durch die Glastür sah ich Keller erneut auf einer
Bank des Wartebereichs liegen. Er schnarchte laut.
Seine Dämonen ließen ihn in Ruhe. Um ihn nicht zu
wecken, öffnete ich die Tür mit dem Roten Halbmond
möglichst leise.
Hannah lag im Krankenbett des Nebenraums mit geschlossenen
Augen auf dem Rücken. Die als Krankenpflegerin
eingeteilte Frau war nirgends zu sehen.
Ich setzte mich zu Hannah ans Bett und griff, um ihren
Puls zu fühlen, nach ihrer Hand. Sie zuckte zusammen.
Ihre blauen Augen öffneten sich, starrten mich verstört
an.
„Ich will nur Ihren Puls fühlen“, beruhigte ich sie.
„Dr. Baitinger?“
„Ja.“
Sie lächelte dankbar.
„Wie geht es Ihrem Bauch?“
„Langsam kehren die Schmerzen zurück.“
„Die Wirkung der Spinalanästhesie lässt nach“, erklärte
ich ihr. Ohne zweiten Arzt zur Überwachung ihrer
Atmung, hatte ich keine Vollnarkose gewagt. „Ich kann
ihnen gerne was gegen den Schmerz verabreichen.“
„Okay.“
„Darf ich mir die Wunde ansehen?“
Sie nickte, schob das Laken zurück, hob ihr Nachthemd
an. Ich entfernte das große Mull-Pflaster. Die
Wunde sah gut aus, war nur lokal geschwollen und
kaum gerötet. Auch die Naht hielt, die Wunde nässte
kaum. Es sah aus, als hätten wir Glück. Ich desinfizierte
den Schnitt, klebte einen neuen Mullverband auf.
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„Es sieht gut aus“, erklärte ich ihr. „Die Bedingungen
hier im Raum sind leider alles andere als steril. Ich
meine, natürlich desinfizierte ich meine Instrumente
gründlich. Aber über die Luft können trotzdem Keime
hineingelangt sein. Hoffen wir, dass dem nicht so ist!“
„Mein Körper wird mit den Eindringlingen fertig. Man
härtet hier ziemlich ab.“
„Das klingt tapfer. Wo kommen Sie her?“
„Aus Nufringen. Und Sie?“
„Aus Stuttgart. Dann waren wir im vorigen Leben ja
fast Nachbarn. Seltsamer Zufall.“
„Das ist kein Zufall. Wir sind hier schließlich im Schwaben-
Ghetto.“
„Wie bitte?“, fragte ich irritiert.
„Wirklich! Die Saudis sind da ganz eigen. Hier zu uns
kommen nur Menschen, die vor der Flucht in Baden-
Württemberg lebten.“
„Wie lange sind Sie denn schon hier?“
„Drei Jahre.“
„Drei Jahre! Ist Ihnen eine junge Ärztin namens Pauline
Baitinger begegnet? Eine hübsche, junge Frau, mit
langen roten Haaren und grünen Augen?“
„Nein, tut mir leid.“
Geknickt senkte ich den Kopf.
„Ihre Tochter?“
Ich nickte, hob den Kopf wieder und sah sie an.
„Sind Sie wie meine Tochter auch ganz am Anfang geflohen?“
„Mein Mann und ich waren schon zwei Monate vor
Ausbruch des Bürgerkrieges hier.“
„Wussten Sie etwa, was passieren würde?“
Sie schüttelte den Kopf. Erleichtert atmete ich aus.
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„Edgar ist Architekt. Vor der Wirtschaftskrise baute er
einfachste Flüchtlingsunterkünfte. Viele hemmenden
Bestimmungen des Baurechts und des Naturschutzes
waren seinerzeit außer Kraft gesetzt, um schnell Unterkünfte
in ausreichender Anzahl erstellen zu können.
Hamburg machte den Anfang und zog die sogenannten
Weimann-Häuser in kürzester Zeit auf der grünen
Wiese hoch. Thomas Weimann entwarf als Architekt
der städtischen Wohnbaugesellschaft Saga schon vor
der Krise hässliche Wohnblöcke für Sozialsiedlungen
am Hamburger Stadtrand. Als nach der ersten großen
Flüchtlingswelle im Herbst 2015 die Großstädte innerhalb
kurzer Zeit zehntausende Menschen unterbringen
mussten, plädierte er dafür, auf vorhandene, bewährte
Pläne zurückzugreifen. Hier stehen jetzt drei
Riegel nebeneinander, aber grundsätzlich…“
„Deshalb kommen mir die Gebäude so bekannt vor!
Im Norden Stuttgarts stehen auch drei Weimann-Häuser.
Hat die etwa Ihr Mann…“
„Ja, jedenfalls kopierten einige deutsche Großstädte
das Hamburger Vorgehen. Angeblich überließ Herr
Weimann aus Eitelkeit den anderen Städten seine Pläne
umsonst. Immerhin wurde sein Name dadurch
weltweit bekannt. Wie Sie wissen, schlitterte die deutsche
Wirtschaft durch den Zerfall der EU in eine tiefe
Rezension. Ich verlor meinen Job und auch Edgar erhielt
keine Aufträge mehr. Kein Wunder, schließlich
gingen Zinsen und Inflation durch die Decke. Die deutsche
Autoindustrie lag am Boden.
Da erhielt Edgar per E-Mail ein Stellenangebot hier
aus Dammam in Saudi-Arabien. Wir brauchten nicht
lange zu überlegen, schließlich war zu dieser Zeit die
Situation zu Hause mehr als ungemütlich. So packten
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wir unsere Koffer und flogen hierher. Nach seinem ersten
Arbeitstag kam Edgar sichtlich schockiert zu mir
ins Hotel. Er sollte vor den Toren der Stadt innerhalb
von nur sechs Monaten eine Siedlung aus drei Weimann-
Häuser einfachster Ausführung hochziehen. Vor
dem Abflug hatte er von Luxus-Villen für reiche Saudis
geträumt und dann das! Aber egal, immerhin hatte er
Arbeit und wir Sicherheit sowie genug zu essen. So
baute er eben eine Trabanten-Stadt für billige Hilfskräfte
der Globalisierung. Dann erfuhr Edgar, dass die
Saudis nicht nur ihn, sondern alle deutschen Architekten,
die irgendwie schon bei einer Weimann-Siedlung
mitgewirkt hatten, anwarben. Praktisch vor den Toren
jeder größeren Stadt, außer Riad und den heiligen
Städten, zogen die im Rekordtempo Weimann-Siedlungen
in die Höhe. Mir wurde unheimlich. Hatten wir
nicht die arabischen Flüchtlinge bei uns in genau diese
Siedlungen vor den Toren unserer Städte gepfercht?
Wollten die Saudis es uns mit gleicher Münze heimzahlen?“
Sie lachte bitter auf, ehe sie fortfuhr:
„Als ich meine Gedanken mit Edgar teilte, bezeichnete
er mich als paranoid. Ich wünschte, ich wäre es gewesen!
Dann wurde unser Hotel von Daimler-Mitarbeitern
überschwemmt, die den Bau einer Autofabrik des
Konzerns in Dammam vorbereiteten. Mir wurde klar,
dass wir eines Tages alle in den Kaninchen-Ställen landen
würden, die mein Mann voller Eifer vor den Toren
der Stadt hochzog.“
„Was hat der Daimler mit dem Ganzen hier zu tun?“
„Wissen Sie das nicht?“
„Was?“

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„Seit zwei Jahren wird die S-Klasse nicht mehr in Sindelfingen,
sondern hier in Dammam produziert!“
Ich sah sie skeptisch an.
„Das stimmt! Wenn Sie mir nicht glauben, dann fragen
Sie doch Keller!“
Das würde ich später tun. Vorläufig beschloss ich, ihr
zu glauben.
„Okay, dann hat halt der Daimler hier eine Fabrik.
Aber warum zogen Sie und ihr Mann in diese Kaninchenställe?
Warum blieben Sie nicht im Hotel oder
reisten weiter nach Australien oder China?“
Jetzt sah sie mich skeptisch an.
„Was haben Sie eigentlich von den Geschehnissen auf
der Welt in den letzten drei Jahren mitbekommen?“
„Nichts“, räumte ich beschämt ein.
„Das dachte ich mir schon.“
„Nach den ersten Kampfhandlungen wurden wir Bürger
von den Telefonnetzen abgehängt!“, verteidigte ich
mich. „Radio und TV verkündeten noch zwei Wochen
Durchhalteparolen, dann war es mit dem Strom vorbei.
Die Elektrizität der wenigen noch produzierenden
Wasser- und Windkraftwerke war der Aufrechterhaltung
der wichtigsten Staatsfunktionen vorbehalten.
Gas und Öl erreichten Stuttgart schnell nicht mehr.“
„Wie erging es Ihnen nach Ausbruch der Kämpfe?“
Ich erinnere mich nicht gerne an die erste Zeit. Wenn
ich es zulasse, erreichen meine Erinnerungen eine Intensität,
als sei es erst gestern geschehen:
Nach Paulines Abreise weinte Carolin hemmungslos.
Ich versuchte sie in die Arme zu nehmen und zu trösten.
Brüsk stieß sie mich zurück. So verbrachten wir
beide eine schlaflose Nacht in getrennten Schlafzimmern.
Am Morgen taten wir beide so, als sei nichts.
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Darin besaßen wir viel Übung. Wie jeden Tag wollten
wir zur Arbeit gehen. Punkt sieben Uhr schaltete ich
wie immer das Radio ein, um Nachrichten zu hören:
„…alle Bürger Stuttgarts werden aufgefordert, heute
zu Hause zu bleiben. Im Norden der Stadt und in den
Neckarvororten sind schwere Kampfhandlungen zwischen
Nationalisten und anderen Gruppen im Gange.
Die Bundeswehr und die übrigen Sicherheitskräfte sind
dabei, die Kampfparteien zu entwaffnen und die Ruhe
wiederherzustellen. Bitte bleiben Sie zu Hause, um die
Ordnungskräfte nicht bei ihrer Arbeit zu behindern
und um sich nicht selbst zu gefährden. Ich
wiederhole…“
„Wie können da schwere Kampfhandlungen in Gange
sein?“, fragte ich fassungslos. „Woher haben die Waffen?“
„Glaubst du Pauline hat es geschafft?“, fragte Carolin
ängstlich.
„Ihre Route führte von uns aus über die Filderebene
auf die Autobahn. Dort gab es keine Kämpfe.“
„Bist du sicher? Was wenn…“
„Keine Sorge! Ich bin mir absolut sicher!“
„Aber…“
„Pscht!“
Ich legte ihr meinen Zeigefinger auf die Lippen und
nahm sie fest in die Arme. Carolin sträubte sich leicht,
gab sich dann aber meiner schützenden Umarmung
hin.
„Ich würde sagen wir folgen den Empfehlungen der
Behörden und nehmen uns heute frei“, entschied ich
schließlich.
Carolin nickte zustimmend. Der unerwartete Urlaubstag
besserte meine Stimmung. Es brachte nichts, sich
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die Laune vermiesen zu lassen. Kurz war ich versucht
ihr vorzuschlagen, die Freiheit für morgendlichen Sex
zu nutzen. Aber sie würde mich zurückweisen, machte
sie sich doch ständig unnötige Sorgen. Solange Pauline
sich nicht meldete, würde sie ohnehin kaum eine ruhige
Minute haben. Ich selbst nahm die Sache gelassen.
Okay, das Gespenst des Nationalismuses war unerwartet
der Mottenkiste entwichen. Ein paar Spinner
machten Krawall. Aber ernsthafte Unruhen oder gar
Schlimmeres waren in Deutschland undenkbar.
Weder Telefon noch Internet funktionierten. So beschlossen
wir, uns mittels TV über die Vorgänge da
draußen zu informieren. Was ich in den nächsten Stunden
dort zu sehen und zu hören bekam, erschütterte
meine Zuversicht dann doch etwas. Noch im Laufe der
Nacht hatte Österreich als letztes Nachbarland seine
Grenzen zu uns geschlossen und Militär aufgefahren.
Alle hofften ein Übergreifen des Bürgerkriegs in
Deutschland auf ihr eigenes Land verhindern zu können.
Die behaupteten allen Ernstes, bei uns sei Bürgerkrieg!
Einmal mehr eine hysterische Übertreibung der
Medien. Eine Meldung war besorgniserregender als
die andere. Einzig dass Österreich seine Grenzen erst
nach Mitternacht geschlossen hatte, als Pauline diese
schon längst passiert haben musste, beruhigte uns.
Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und erhob mich.
„Den Quatsch unserer hysterischen Medien mag ich
mir nicht mehr ansehen! Ich gehe raus und schau mir
die Sache selbst an!“, verkündete ich.
„Aber Jens, wir sollen doch…“
„Du kannst ja hier bleiben. Ich mache einen Spaziergang
durch den Wald und schau mir die Neckarvororte
von oben an. Wenn dort wirklich Kampfhandlungen
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stattfinden, werde ich das von oben sehen, ohne mich
selbst zu gefährden.“
Carolin versuchte mich davon abzubringen. Ich ließ sie
reden, zog unbeirrt meine warme Jacke an und setzte
eine Mütze auf. Schließlich gab sie resigniert auf und
kehrte an den Fernseher zurück, während ich das Haus
verließ.
Unsere Villa lag in der Gänsheide, einem Wohngebiet
auf dem Rücken eines Berges, der den Osten der Stadt
dominiert. Ich sah die Straße hinunter. Nichts rührte
sich. Ich lauschte, konnte jedoch nichts hören, auch
nicht den üblicherweise im Tal tosenden Verkehr. Die
meisten hielten sich offensichtlich an die Empfehlung
der Behörden. Vor mich hin pfeifend wandte ich mich
dem nahegelegenen Wald zu. Wenn ich diesen durchquerte,
würde ich einen guten Blick auf die Neckarvororte
beiderseits des Flusses haben.
Am Rande war der Wald licht. Mir gefiel er dort besonders,
da auf sandigem Boden mächtige Eichen
wuchsen. Kaum war ich in den Wald eingedrungen, als
hinter einem der mächtigen Stämme ein Mann in
Kampfuniform hervorsprang und laut brüllte:
„Stehenbleiben! Hände hoch!“
In diesem beschämenden Augenblick lernte ich, dass
„sich vor Angst in die Hose machen“ nicht einfach nur
ein Sprichwort war. Auf mein Missgeschick reagierte
der Soldat mit einem fiesen Grinsen. Hinter einem anderen
Stamm trat ein zweiter Soldat vor, der mir die
Hände auf den Rücken fesselte.
„Was sollen wir mit ihm machen?“
„Wir bringen ihn zum General. Der soll entscheiden.“
Er packte mich fest am Ellenbogen und führte mich
quer durch den Wald zu einer Stelle oberhalb der
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Forststraße, die durch das Dürrbachtal von Rohracker
aus hoch zu uns führt. Ein Trupp Männer hob mit Hilfe
eines gelben Baggers Schützengräben aus und erstellte
Sandsack-Befestigungen. Schockiert starrte ich auf
das Geschehen. Eine Stimme rechts von mir befahl:
„Nehmen Sie dem Mann die Handfesseln ab Soldat!
Das ist nur Dr. Baitinger, der wohnt hier.“
Ich drehte den Kopf nach rechts und blickte in die
blauen Augen Herrn Wahlers, eines von mir wenig geschätzten,
erzkonservativen Nachbarn. Er hatte im
letzten Jahr eine Art Bürgerwehr organisiert, um beide
in unser kleines Wohngebiet führenden Straßen zu bewachen.
Ihm hatten wir es zu verdanken, dass Pauline
uns nicht länger in unserer „Gated Community“ besuchen
wollte.
„Na Herr Doktor, lachen Sie jetzt immer noch über
uns?“, fragte Wahler in diesem Augenblick spöttisch.
„Ich habe Sie nie ausgelacht!“
„Zumindest nie offen“, räumte er ein. „Dafür sind Sie
viel zu kultiviert. Oder auch einfach nur zu feige.“
„Das…“
Er hob die Hand.
„Sparen Sie sich ihre Worte! Für so etwas haben wir
jetzt keine Zeit. Ich bin Ihnen nicht böse, manche brauchen
halt länger, um die Wahrheit zu erkennen. Außerdem
wollte ich ohnehin mit Ihnen reden. In Ihrem
Haus werden noch heute sechs Familien einquartiert.“
„Wie bitte?“, empörte ich mich. „Was fällt Ihnen ein!
Sie können doch nicht einfach so über mein Haus bestimmen!“
„Wer sollte mich daran hindern?“, fragte er frech grinsend
zurück.
51
Seine Leute grinsten noch viel frecher. Es blieb mir
nichts anderes übrig, als mir einzugestehen, dass ich
keine Chance hatte. Dennoch sträubte sich alles in mir,
mit den Nationalisten, um die es sich bei Wahlers
Truppe zweifellos handelte, zu kooperieren.
„Keine Sorge“, meinte er in diesem Augenblick, „wir
sind keine Nationalisten, sondern gehören zu den Guten!“
„Den Guten?“
„Na, weder Nationalisten noch Islamisten“, erklärte er.
„Wir sind diejenigen, die unsere christlichen Werte und
die Demokratie verteidigen.“
„Indem Sie hier im Wald Löcher buddeln?“
Er zögerte, schien zu überlegen, ob ich eine Antwort
wert war.
„Sie sind Arzt“, meinte er schließlich. „Ärzte werden
meine Männer und ich in der nächsten Zeit benötigen.
Daher, und nur daher, nehme ich mir Zeit für Sie. Kommen
Sie mit.“
„Wohin?“
„Ein Stück weiter nach vorne. Lassen Sie uns einen gemeinsamen
Blick ins Neckartal werfen. Sind Sie nicht
ohnehin unterwegs, um sich persönlich einen Eindruck
von der Lage dort zu verschaffen?“
„Doch.“
Ich gab meinen Widerstand auf und folgte ihm. Sobald
wir uns vom lauten Bagger entfernten, hörte ich fremde
Geräusche.
„Sind das Schüsse?“
Er nickte.
„Wollten Sie mir nicht erklären, was Sie und Ihre Leute
hier treiben?“
52
„Diese Höhe wird, wie einige andere Höhen der Stadt,
von entscheidender strategischer Bedeutung sein. Wir
sichern sie daher für uns.“
„Wer ist wir?“
„Bürger, die weder naive Traumtänzer noch Dummköpfe
sind. Männer, die sich um die ihren Sorgen machen
und bereit sind, deren Leben und unsere Werte
mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.“
Erneut erklangen Schüsse von vorne, diesmal deutlich
lauter. Eine Explosion war zu hören.
„Warum sind Sie dann nicht dort unten dabei?“
„Weil die anderen stärker sind als wir und wir dort nur
sinnlos verheizt würden.“
„Wozu dann überhaupt kämpfen, wenn die anderen
ohnehin stärker sind?“
„Oh, wir sind die Mehrheit und haben daher eine reelle
Chance zu gewinnen. Nur ist die Masse dieser Mehrheit
noch nicht zum Kampf bereit. Um, bis die ihre
Kampfbereitschaft entdecken, nicht bereits verloren zu
haben, sichern wir unsere Positionen. Solange lassen
wir erst einmal die anderen sich gegenseitig schwächen.“
Wir erreichten die Aussichtsplattform bei der Schillerlinde.
Auch hier errichteten Männer mit Hilfe eines
Baggers Befestigungen. Aus dem Tal erklang Kampflärm.
Schwarzer Qualm hing über den Vororten. Auf
der Augsburger Straße, nördlich von Untertürkheim,
standen zwei brennende Fahrzeuge. Überhaupt schienen
sich die Kampfhandlungen besonders auf Untertürkheim
zu konzentrieren.
„Wer kämpft dort?“, fragte ich.
„In Untertürkheim haben sich Islamisten verschanzt.“
53
„Aber die haben doch gegen die Bundeswehr keine
Chance, oder?“
„Andersherum: Die Bundeswehr hat keine Chance gegen
die Islamisten! Schließlich führen jene seit Jahrzehnten
von Afghanistan über den Irak, Syrien bis hin
zu Libyen, Mali und Nigeria Krieg. Die haben hunderttausende
gut ausgebildete und kriegserprobte Kämpfer.
Unsere Nachrichtendienste schätzen, dass bis zu
einer halben Million Islamisten ins Land einsickerten.
Und die Bundeswehr? Weniger als zweihunderttausend
Beschäftigte, die meisten davon Sesselfurzer, nur
wenige Tausend kampferprobte Soldaten. Glauben Sie
wirklich, die haben eine echte Chance?“
Ich schluckte. So betrachtet natürlich nicht.
„Woher haben die Islamisten überhaupt Waffen?“,
fragte ich verzweifelt.
„Die Taliban schmuggeln seit Jahrzehnten tonnenweise
Drogen in unser Land. So gut wie nie wurde von Zoll
oder Drogenfahndung eine Ladung abgefangen.
Warum sollte das nicht auch mit Waffen funktionieren?“
„Weil der Staat…“
Ich brach ab. Kaum zu glauben, wie sehr ich mich
plötzlich an den von mir bisher verachteten Staat
klammerte. Was blieb mir auch anders übrig? Also
fuhr ich fort:
„Aber die Bundeswehr ist doch besser bewaffnet!“
„Berlin ist ein Hort der Arroganz, Inkompetenz und
Korruption. Seit wir wieder von Berlin aus regiert werden,
lief kein Rüstungsprojekt mehr halbwegs vernünftig
über die Bühne. Berlin ist ja bereits mit dem Bau eines
Flughafens überfordert. Die Nato schüttelt über
uns nur noch mitleidig mit dem Kopf, während die
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Russen bei Treffen hochrangiger Militärs die Deutschen
offen verhöhnen. Glauben Sie mir, unter den Offizieren
der Bundeswehr gibt es mehr als eine heimlich
geballte Faust gegen unsere Politik, besonders seitdem
Frau von der Leyen mit ihrem weltfremden Moralismus
der Truppe zusetzte. Die Nationalisten werden
es nicht schwer haben, Teile der Truppe auf ihre Seite
zu ziehen. Sehen Sie dort unten?“
Sein Finger zeigte direkt unterhalb von uns auf eine
Seitenstraße des Stadtteils Wangen, nicht weit von der
Brücke hinüber nach Untertürkheim entfernt.“
„Da stehen ja Panzer!“
„Keine echten Panzer, aber immerhin leicht gepanzerte
Fahrzeuge. Das sind Wiesel des 292. schweren Jägerbatallions
aus Stetten am kalten Markt. Echte Kampfpanzer
gibt es in ganz Deutschland nur noch gut zweihundert,
im Ländle keinen einzigen.
Die 292er haben den Auftrag, die Kampfparteien hier
zu entwaffnen oder notfalls zu eliminieren. Ich habe
keine Zeit, aber sehen Sie ruhig zu, ob der Kommandierende
Geschick besitzt oder seine Soldaten leichtfertig
verheizt.“
„Äh, das wäre sicher interessant, aber meine Frau
macht sich bestimmt schon Sorgen um mich.“
„Umso besser. Dann entscheiden Sie sich gemeinsam
mit Ihrer Frau für das schönste Zimmer Ihres Hauses.
Jedes andere Zimmer wird mit einer Familie aus den
tiefergelegenen Stadtteilen belegt!“
Ich beendete meine Erzählung. Schweigend hing jeder
seinen schmerzhaften Erinnerungen nach. Die Tür des
Behandlungszimmers öffnete sich. Keller trat ein. Als
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er Hannah erblickte, erhellte ein Lächeln sein ernstes
Gesicht.
„Wie geht es dir?“, fragte er.
„Besser. Der Doktor versteht seinen Job.“
„Gut zu wissen.“
„Denken Sie dann auch an Ihre Versprechen?“, nutzte
ich die Gunst des Augenblicks.
„Ihre Tochter und Ihre Frau, ich kümmere mich um
beide.“
Hannah sah mich neugierig an, fragte aber nichts. Ich
beschloss, die beiden sich selbst zu überlassen und
mich auf der Arztstation umzusehen.
Diese bestand aus drei Räumen. Der größte Raum war
als Wartebereich mit Empfangstheke konzipiert, der
mittlere, in dem sich gerade Hannah und Keller befanden,
als Behandlungszimmer und der kleinste als eine
Art Büro. Ein winziger Sanitärbereich rundete das Ganze
ab. So etwas wie ein Krankenzimmer, in dem Patienten
wie Hannah in Ruhe genesen konnten, gab es
nicht. Ich würde Keller vorschlagen das benachbarte
Appartement in ein solches umzufunktionieren. Vielleicht
ließ sich eine direkte Tür vom Wartebereich
dorthin durchbrechen?
Ich machte mich gerade mit dem Inhalt von Schränken
und Schubladen vertraut, als das Nageln schwerer Dieselmotoren
und aufgeregt schnatternde Stimmen die
Rückkehr der Arbeitenden verkündeten. Kurz darauf
wurde die Tür der Krankenstation aufgerissen. Zwei
Anzugsträger schleppten einen Dritten zwischen sich.
Dieser trug noch die gleiche hellgraue Hose wie seine
Kollegen, aber kein Jackett mehr. Sein weißes Hemd
war blutdurchtränkt. Ein Auge öffnete sich ein wenig,
als seiner Brust ein dumpfes Stöhnen entschlüpfte.


 

Anstehende Termine

Wochenmarkt Göppingen

Der „Kleinste“ Donnerstagnachmittag rund zehn Anbieter auf dem Marktplatz im Herzen der Göppinger City. Von Donnerstag, 7. März, bis 14. November erfolgt der Verkauf im Regelfall in den geraden Kalenderwochen von 15 bis 19 Uhr. Der „Größte“ ist der Samstags-Wochenmarkt auf dem Schillerplatz. An ru…
am Sa, 14. Dezember 2019
07:00 h - 13:00 h

Flohmarkt Kirchheim Güterbahnhof

Jeden Samstag, Aufbau ab 7 Uhr (Aufbau und Verkaufszeiten an Sonntagen bitte beim Veranstalter erfragen). Textil-Neuware auf Anfrage! Für den Flohmarkt in Kirchheim sind keine Reservierungen möglich !!
am Sa, 14. Dezember 2019
08:00 h - 16:00 h

Wo ist Afrika?

„Wo ist Afrika?” fordert dazu auf, die Kontexte und Narrative der Afrika-Sammlungen des Linden-Museums neu kennenzulernen und sie kritisch zu hinterfragen. Ein großer Teil der Objekte gelangte in der Kolonialzeit in die Sammlungen. „Wo ist Afrika?“ untersucht, welche Geschichte und Geschichten den O…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

ZeitSprünge Dürnitz im Schloss Waldenbuch

Auf die Plätze, fertig,... „ZeitSprünge“. Was hat unser Alltag mit dem Alltagsleben von „damals“ zu tun? Sie werden staunen! Springen Sie zwischen den Zeiten, lassen Sie sich von der Vergangenheit überraschen. Die ZeitSprünge sind das Highlight der neueröffneten Dauerausstellung im Erdgeschoss des…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wohnwirklichkeiten, Schloss und Jagd

1. Obergeschoss im Schloss Waldenbuch Kennen Sie noch Salzstangen- und Brezelhalter, Flokati und Roy Black? Haben Sie sich schon gefragt, wie es sich mit Schallplatten, String-Regal und ABBA lebte? Antworten auf diese und weitere spannende Fragen hält der neu konzipierte Ausstellungsbereich „Wohnw…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wohnwelten mit Wohnstudio

NEU: #wohnstudio im 1. Obergeschoss Das Museum der Alltagskultur hat die Ausstellung „Wohnwelten“ um einen interaktiven Themenraum erweitert. Der Raum lädt ein, sich auf spielerische Weise ein Wohnzimmer einzurichten. In einer Art Fotostudio kann zwischen einer zeittypischen Kulisse des 19. Jahrhu…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Mein Stück Alltag

Erdgeschoss im Schloss Waldenbuch Alltag ist nicht grau, sondern bunt! Jeder Alltag ist anders. Er ist geprägt von Ritualen und Gegenständen, die wir nicht als Besonderheit wahrnehmen. Trotzdem verraten diese Objekte viel über uns, unseren Alltag und unser Leben. In dieser Ausstellung begeben wir …
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Monika Baumhauer

Landschaft, Figur, Stillleben Schon der Ausstellungstitel benennt die Themen, die das Kunstschaffen von Monika Baumhauer (geb. 1959 in Schwäbisch Gmünd) bestimmen: Da ist zunächst die menschliche Figur, ob als ein- und mehrfigurige Komposition oder als Portrait und Selbstbildnis. Dazu kommen Landsch…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 19:00 h

KLASSISCHE SCHLOSSFÜHRUNG

Höfisches Leben und Feiern um 1600: Weikersheim gilt als das schönste Schloss in Hohenlohe. Ein Ruf, den unsere Führung schnell bestätigt: Nicht nur das Schloss, auch der barocke Schlossgarten mit seinem einzigartigen Figurenreichtum ist eindrucksvoll erhalten. Bei Ihrem Besuch in den Appartements d…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Faszination LEGO

Die Ulmer und Ludwigsburger Klötzlebauer waren wieder fleißig und präsentieren ihre LEGO-Modelle bereits zum dritten Mal in Schloss Bruchsal. Vom 26. Oktober 2019 bis 1. März 2020 sind ihre neuen Kreationen im Rahmen der Ausstellung „Faszination LEGO“ zu sehen. Di – So und Feiertage 10.00 ­­­– 17.…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Musikinstrumente und Klanglabor

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Haus der Musik am Schillerplatz Das Haus der Musik ist ein beliebter und lebendiger Treffpunkt für Musikfreunde mitten in Stuttgart. Hier zeigt das Landesmuseum Württemberg herausragende Stücke aus seiner bed…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Legendäre Meisterwerke: Kulturgeschichte(n) aus Württemberg

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Von der Steinzeit bis ins Königreich Württemberg Altes Schloss, 2. OG Die Schausammlung „LegendäreMeisterWerke“ lädt dazu ein, die Kulturgeschichte Württembergs im Zeitraffer zu entdecken! Sie bietet auf eine…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wahre Schätze: Antike | Kelten | Kunstkammer

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Altes Schloss, 1. OG Im 1. Obergeschloss des Alten Schlosses sind "Wahre Schätze" zu bestaunen! Das Landesmuseum Württemberg zeigt hier mit seinen hochkarätigen Sammlungen von Weltrang europäische Kulturgesch…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Uhren und wissenschaftliche Instrumente

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen GENAU! Uhren und andere geistreiche Erfindungen Altes Schloss, Uhrengewölbe Unter den nordwestlichen Arkadenflügeln des Alten Schlosses befinden sich die wohl stimmungsvollsten Ausstellungsräume im Alten Schl…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

VR-Reise ins Mittelalter

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Mit Virtual Reality ins Mittelalter Altes Schloss, 2. OG Erstmals bereichert eine Virtual-Reality-Station die Ausstellung "LegendäreMeisterWerke" und ergänzt die spätmittelalterlichen Originale durch eine vir…
am Sa, 14. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wichtige Kirchheimer Seiten, Kooperationen und Partner